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14 Martin Wassmann, verantwortlich für standardisierte Plattformentwicklung über AR & IoT bei Airbus

Martin Wassmann ist verantwortlich für eine standardisierte Plattformentwicklung und Digitalisierung der Kabinentechnik bei Airbus. Er hat über sieben Jahre Erfahrung wie Augmented Reality in Kombination mit IoT (= Internet of Things) eingesetzt werden kann, um Prozesse effizienter zu gestalten. In diesem Zusammenhang hat Martin Wassmann schon einige digitalen Transformationsprozesse mitgestaltet. Im Interview spricht er darüber, warum die Technologie dabei die kleinste Hürde ist und warum es für Unternehmen trotz Krise so wichtig ist, weiter an Innovationen zu arbeiten.

Der Experte

Martin Wassmann


Responsible for Standardized Platform Development | Digitization & IoT | Cabin Engineering bei Airbus


Luft- und Raumfahrtindustrie

Kontaktpunkte zu AR/VR:

privat:

  • nutzt AR z.B. beim Designen und Hausbau

  • großer Fan von AR aber weniger von VR durch die Abschottung

geschäftlich:

  • beschäftigt sich seit 2009 mit AR:

  • im Rahmen seiner Tätigkeit bei Airbus, als selbständiger AR & IoT Manager und bei ptc

  • Entwicklung von SART (intern bekannt als MiRA) gemeinsam mit Airbus.[SART ist eine Smart Mixed Reality Applikation zur Erleichterung des Flugzeugbaus mithilfe von Mixed Reality und IoT]

  • Entwicklung von Vuforia Studio & Chalk gemeinsam mit ptc

"Ich würde mir wirklich wünschen, dass Unternehmen in Zukunft offener für Innovationen werden."


Seit knapp sieben Jahren beschäftigen Sie sich bereits mit den Themen AR/VR/XR & IoT in unterschiedlichen Branchen und haben für Ihre Tätigkeit unter anderem den Great Innovator Award 2013 der Airbus Group verliehen bekommen.

1) Was genau fasziniert Sie persönlich an den Technologien und aufgrund welcher Eigenschaften und in welchem Anwendungsgebiet sehen Sie die größten Potenziale für Unternehmen?

Mich fasziniert der schnelle Fortschritt der Entwicklung und die große Hilfe für Mitarbeiter wie im Fall bei Airbus. Durch MiRA werden die zu befestigenden Bauteile mit Augmented Reality markerlos an die entsprechenden Stellen in den Hohlkörper des Flugzeugs projiziert. Der Werksmitarbeiter baut die Teile an die angezeigten Stellen an und kann im Anschluss auch direkt seine Eigenprüfung per Knopf durchführen und weiß, dass er alle Teile richtig angebracht hat. Das bietet einen sehr großen Mehrwert für alle, die am Bau des Flugzeugs beteiligt sind und die Fehlerquote wird stark reduziert.


Beispiel der Verwendung von MiRA im Jahr 2015. Quelle: Airbus



2) Wie genau stehen AR & IoT generell im Zusammenhang und wie wird das bei Airbus verwendet?


Mit MiRA nutzen wir AR und IoT beispielsweise, um Inspektionen im Flugzeug zu verbessern. Der Werker geht dabei mit einem Tablet durch das Flugzeug und sieht durch AR auf dem Tablet, wie der Baustand eigentlich hätte sein sollen und somit auch, wo der Fehler liegt. Daraufhin macht der Werker ein Foto des Fehlers, sendet es an die Datenbank und über IoT wird direkt ein Fehlerticket für das Bauteil erstellt.


Beispiel SART - (Smart Augmented Reality Tool)


Während ich bei ptc gearbeitet habe, entwickelten wir unter anderem Vuforia Studio und Vuforia Chalk. Beide Tools verbinden ebenfalls IoT mit AR. Das finde ich sehr spannend.

Beispiele Vuforia Studio (links) und Vuforia Chalk (rechts)



Zusätzlich gibt es die Plattform Thingworx, die ebenfalls eine IoT Lösung ist. Man kann verschiedene Maschinen, elektrische Geräte, Sensoren, etc. an die Plattform anbinden und dann vorhersagen, wann etwas ausfällt und dadurch bereits im Vorfeld Gerätewartungen durchführen.

Flugbegleiter können damit beispielsweise vorhersehen, wann eine Kaffeemaschine ausfällt und die Nutzung dann entsprechend anpassen. Damit hält die Kaffeemaschine noch so lange durch, bis sie an dem richtigen Flughafen sind, der die notwendigen Teile vor Ort hat.

Hier sind natürlich sehr viele Daten notwendig, damit die Hochrechnungen so genau wie möglich sind. Bei Flugzeugen haben wir im Gegensatz zum Automobil noch nicht so viele Daten, da die Flugzeuge schon älter und die verwendeten Bauteile nicht „smart“, sprich mit künstlicher Intelligenz ausgestattet, sind.



3) Aufgrund Ihrer langjährigen Erfahrung im Bereich Digitalisierung, Implementierung von AR & IoT:


Was genau sind die größten Hürden und welche Learnings können Sie anderen Unternehmern und potenziellen Nutzern geben, die die Integration erleichtern?

Unabhängig davon, welche Technologie es letzten Ende ist, liegt die Hürde weniger an der Technik, sondern vielmehr in der Herangehensweise an das Projekt.

Das Wichtigste, wenn man digitalen Veränderungen im Unternehmen durchführen möchte ist, dass man die Nutzer von Anfang an mitnimmt. Man muss ihre Bedürfnisse berücksichtigt und ihnen ihre Ängste nehmen, wie zum Beispiel, dass durch die effizientere Arbeitsweise, welche die Einführung der Technologie mit sich bringt, trotzdem jeder seinen Arbeitsplatz behält.

Ein weiteres Learning ist, dass man nicht zu groß denkt. Es muss nicht gleich alles automatisiert mit Robotern funktionieren. Man kann auch erstmal kleine Proof of Concepts machen und diese am Ende zusammenführen. Natürlich kommt es auch auf den Anwendungsfall an, aber meistens ist es besser in kleinen Schritten die Digitalisierung im gewünschten Bereich durchzuführen.

Leider funktioniert das so nicht immer. Gerade wenn man in großen Unternehmen arbeitet hat man auch große Projekte, bei denen sehr viele Leute beteiligt sind und man deshalb nur langsam voran.



4) Stichpunkt Corona Krise: Haben Sie persönlich Veränderungen im beruflichen oder privaten Umfeld in Bezug auf die Relevanz von AR/VR bemerkt?

Ehrlich gesagt nein. Jedes Unternehmen beschäftigt sich momentan mit Neuerungen. Ich persönlich empfinde das auch als das Wichtigste, was wir aus dieser Krise mitnehmen sollten, damit wir nach der Krise wieder gestärkt in den Markt eintreten können. Unternehmen, die jetzt aufhören an neuen Dingen weiterzuarbeiten, um Kosten zu sparen, werden meiner Meinung nach von ihren Wettbewerbern auf kurz oder lange Sicht überholt.



5) "In 5 Jahren besitzt fast jeder Haushalt XR Brillen wie z.B. heute Handys und Laptops und verwendet sie für unterschiedlichste Einsatzbereiche wie z. B. Urlaubsimulation, Einkaufen, Meetings, zur Lehre/ als Lernräume."


Wie stehen Sie zu dieser Aussage?


Eine ähnliche Aussage hat man schon für das Jahr 2020 vor vielen Jahren vorhergesagt. Es ist eine schöne Zukunftsvision aber ehrlich gesagt glaube ich nicht daran. Zum einen, weil ich glaube, dass es zu umständlich ist sich eine Brille aufzusetzen. Zum anderen, weil ich nicht glaube, dass sich die Technik in 5 Jahren so stark weiter entwickeln wird, dass sie beim Endverbraucher ankommt und jeder eine XR Brille besitzt.

Mich erinnert das sehr an die 3D Fernseher, die vor einigen Jahren auf den Markt kamen. Ich kenne niemanden, der jetzt noch einen 3D Fernseher besitzt, weil es einfach mit den Brillen zu umständlich ist.

Meine Vorstellung der Zukunft ist eher, dass die technischen Geräte, wie z.B. Handy und Smartwatch immer mehr miteinander verschmelzen werden.



Finales Statement von Martin Wassmann:

Ich würde mir wirklich wünschen, dass Unternehmen in Zukunft offener für Innovationen werden.

Nächste Woche am #digitalthursday sprechen wir mit André Neubauer, CTO bei Mister Spex. André Neubauer erzählt uns, wie und warum der Onlinehändler bereits seit Jahren Augmented Reality einsetzt, zeigt den Entwicklungsprozess der Anwendung und wie damit der online Brillenverkauf revolutioniert wurde.


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